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So war es einmal in Buschgotthardshütten

Den Beginn der Siedlung Buschgotthardshütten kennen wir nicht genau aber er fiel bestimmt in das Jahr 1467, denn in diesem Jahr ließ Gotthard Busch eine Hammerhüttenanlage in diesem späteren Ortsgebiet bauen und der Name des Erbauers war komplett in dem Ortsnamen enthalten. Der alte Ort mit den herrlichen Fachwerkhäusern wurde zwischen 1970 und 1977 abgebrochen. Fast alle hangseitigen Häuser mussten der neuen Hüttentalstrasse weichen. Der Ort hatte wie fast alle anderen Orte keinen Dorfmittelpunkt, sondern er zog sich einige hundert Meter am Berg entlang.

Buschgotthadshütten mit seunen herrlichen Fachwerkhäusen (Bild unser-siegen.com)
Buschgotthadshütten mit seunen herrlichen Fachwerkhäusen (Bild unser-siegen.com)

Buschgotthardshütten war eine Hüttensiedlung in Weidenau und von 1622 bis 1937 eigenständige Gemeinde. Sie trennte sich im Jahre 1622 von Weidenau und bildete eine selbstständige Gemeinde im Amt Weidenau, deren Kirchspiel erst Siegen und ab 1874 Weidenau war. Am 1. April 1902 und am 26. Juni 1912 wurden Teile von Buschgotthardshütten nach Siegen eingegliedert. Am 1. April 1937 wurde die Gemeinde aufgelöst und auf Siegen und Weidenau aufgeteilt. Ab 1. Juli 1966 gehörte der Weidenauer Teil zur neuen Stadt Hüttental und ab 1975 gehörte alles zu Siegen. Die Charlottentalsiedlung war einst ein Teil von Buschgotthardshütten.

Der 88-jährige Friedrich Oehler schrieb in seinen Erinnerungen, dass Buschgotthardshütten nachts durch 12 kleine Petroleumlampen erleuchtet wurde und diese von dem Mitbewohner Wollenweber versorgt wurden. Er hatte 12 kleine Blechkannen an einem Ring befestigte, die mit Steinöl gefüllt waren und für eine Nacht ausreichten. Er ging jeden Tag mit einer Leiter durch den Ort und erstieg jede Lampe und füllte sie mit Öl.

Ansicht von Buschgotthardshausen mit Blickrichtung Siegen
Ansicht von Buschgotthardshausen mit Blickrichtung Siegen

Friedrich Oehler wohnte im Haus seines Großvaters, welches damals die Nr. 27 hatte. Leider musste dieses Haus wie alle anderen auch verschwinden. Bis 1900 hatte er mit seinen Eltern darin gewohnt, bis sie in die Untere Friedrichstraße nach Weidenau zogen. Wegen seinen Freunden war er aber immer, wenn eben möglich wieder in Buschgotthardshütten, obwohl er im Herrnfeld wohnte, was zu Schneppenkauten gehörte. Es herrschte eine bittere Feindschaft zwischen den Jungen. Wehe dem Jungen, der sich in einem anderen Bezirk sehen ließ. Wenn Friedrich mit Ernst Fick ging, um seinem Vater das Mittagessen auf dem Sieghütter Eisenwerk zu bringen, schlichen beide vorsichtig am Wald entlang.

Buschgotthardshütten um 1900
Buschgotthardshütten um 1900

Auf dem Haus Nr. 27, war keine Jahreszahl aufgeführt und beide forschten nach dem Baujahr. In alten Unterlagen, die Dr. Lothar Irle hatte stand, dass von 1650 bis 1740 nur ein Haus und zwar 1707 in Buschgotthardshütten erbaut worden sei. Da das Haus im Jahre 1707 längst stand, musste es vor 1650 gebaut worden sein. Es ist schön, dass dieses Haus ausgesucht wurde, um es der Nachwelt zu erhalten. Das Haus war neben der Ginsburg im Grund wieder aufgebaut worden. Soweit wie möglich wurden alle Balken wiederverwendet. Auch die original erhaltene Haustüre wurde wieder eingebaut.

Friedrich Oehler erinnerte sich auch, dass die Zimmerhöhe zwei Meter war. In dem Wohnzimmer seines Großvaters stand eine alte Standuhr, die 2,03 Meter hoch war. Aus diesem Grund war eine Aussparung in der Decke angebracht. Übrigens war ihm als Kind der Uhrenkasten dieser Uhr besonders in Erinnerung geblieben. In dem Kasten sollte sich das siebte Geißlein vor dem bösen Wolf versteckt gehabt haben. Da er seinerzeit noch so klein war und die Geschichte glaubte, ging kein Weg in der Stube vorbei, ohne dass er nachgeschaut hätte, ob das kleine Geißlein mal wieder im Uhrenkasten war. Das wunderbare Haus hatten neun Generationen des alten Hammerschmiedergeschlechts bewohnt. Es wurde leider im Winter von keinem Sonnenstrahl getroffen sowie fast das ganze Dorf. Deswegen wurde es im Volksmund oft "Klei-Rußland" genannt.

Facherkhaus aus Buschgotthadshütten auf der Ginsburg (Foto Walter Münker)
Facherkhaus aus Buschgotthadshütten auf der Ginsburg (Foto Walter Münker)

Der Schmied war früher sehr angesehen, galt als zu verlässlich und war ein Sinnbild der Manneskraft. Friedrichs Urgroßvater ging sonntags mit einem weißen Kalbsschurzfell und dem Funkenfänger auf dem Kopf in die Nikolaikirche. Hier hatte er einen Stammplatz, welcher durch ein Schildchen gekennzeichnet war. Oben rechts hinter dem Schurzfell war ein großes Sacktuch (Taschentuch) versteckt. Auf der anderen Seite wurde das Funkenzängelchen getragen. Es war eine kleine, feine Zierzange, womit man Funken nahm, um den Hächt (Tonpfeife) anzuzünden. Dies gehörte nun zum Sonntagsstaat des Schmieds.

Im 18. Jahrhundert waren durchziehende Truppen gemeldet worden was damals öfters vorkam. Man packte sein Fluchtgepäck sowie Lebensmittel und ging in das vorbereitete Versteck in den Tiergarten. Aber den Ochsen konnte man nicht mitnehmen. Man führte ihn vorher in die alte Stube, gab genügend Wasser und Heu dazu und sperrte die Türe zu. Der lange Gang, der zur Stube führte wurde mit Brennholz zugeschüttet und vorne am Eingang schön zu geädert. Das Wunder geschah, denn der Ochse wurde von den Durchziehenden nicht bemerkt. Dieser Vorgang musste sich vor 1799 ereignet haben, denn in diesem Jahr wurde der linke Teil des Hauses umgebaut, wodurch der lange Gang verschwand.

Siehe Bild Oben (Foto Ansichtskarte)
Siehe Bild Oben (Foto Ansichtskarte)

Alle Angehörigen der Familie Flick hatten eine sehr kräftige Stimme. Dazu ein Beispiel: Der Henner stand in Berlin auf Schlosswache als der alte Kaiser Wilhelm der 1. herauskam, brüllte Henner vorschriftsmäßig "Wache raus!", aber so laut, dass der Kaiser erstaunt war. Er schickte ihn auf die andere Seite der Straße, wo er dasselbe noch mal rufen sollte. Natürlich brüllte der Henner noch lauter und bekam dafür vom Kaiser ein Goldstück. Dieses Goldstück wurde in der Familie viele Jahre hoch in Ehren gehalten.

Friedrichs Urgroßvater (1799-1890) war ein sehr tüchtiger Mann gewesen, der Agnes Heibel, Tochter eines Hammerschmieds aus Schneppenkauten, heiratete. Es wurde vereinbart, dass die männlichen Nachkommen die Religion des Vaters und die weiblichen die der Mutter bekommen sollten. Bis die Kirche in Weidenau gebaut wurde gingen die Kinder gemeinsam sonntags in die Siegener Kirchen. Die Jungens in die Nikolaikirche und das Mädchen in die Marienkirche in der Löhrstraße. Zeitweise war sein Urgroßvater Gemeindevorsteher in Buschgotthardshütten und ließ in dieser Zeit einige Wege bauen. So unter anderem auch den Weg in den Tiergarten.

Buschgotthardshütten auf einer Ansichtskarte
Buschgotthardshütten auf einer Ansichtskarte

Friedrich Oehler erzählte weiter, dass er oft in der Werkstatt seines Großvaters war und ihm bei der Arbeit zusah, wie er die Holzkeile und Holznägel für die Befestigung der Schaufeln am Wasserrad selbst fertigte. Er sah zu, wie er die Werkzeuge benutzte die alle das Hähzeichen X, was Ficks hatten, trugen. Die Hähzeichen wurden auch im Frühjahr bei der Haubergsteilung genutzt und waren auf jedem Werkzeug, aber auch auf den Mehlsäcken der Familie. Jeder Haubergsgenosse hatte sein eigenes Hähzeichen.

Bald war er soweit, dass er die Werkzeuge auch gebrauchen konnte und an fing seine eigenen Modelle zu bauen. Er baute zuerst ein Wasserrad und später dazu noch einen Wasserhammer der sehr schön klapperte. Großvater konnte durch das Geklapper nachts nicht schlafen und zerstörte den Hammer. Friedrich ließ sich nicht entmutigen und baute den Hammer wieder auf. Doch der Großvater blieb Sieger und er musste sich was anderes ausdenken. Er baute sich eine Windmühle. In eine Runde Scheibe sägte er genau verteilt Schlitze und steckte Zigarrenkistenbretter, die er zu Flügeln geformt hatte, hinein. Auch die Windmühle hielt nicht lange, denn durch einen gewaltigen Sturm flogen die Flügel davon.

Wenn man einst durch Buschgotthardshütten schritt, luden die Ornamentschnitzereien an Balken und Türen, die an den herrlichen Fachwerkhäusern angebracht waren, zum Verweilen ein. Sie standen am Fuße des Berghanges auf dem der Förderturm II, der Grube Neue Haardt war. Heute verstellt einen die Hüttentalstraße mit ihren Stahlbetonpfeilern den Blick und es gibt fast nichts mehr was zum Innehalten einlädt.

Literaturhilfe:
Rüdiger Fries: Buschgotthardshütten, du fehlst mir doch sehr!
Friedrich Oehler: So wars einst in Buschgotthardshütten
WIKIPEDIA: Buschgotthardshütten
dewiki.de:Buschgotthardshütten
Siegerländer Episoden und Dorfgeschichten: So war das in Buschgotthadshütten

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