Letzte Ruhestätte

Die letzte Ruhestätte der Dahlbrucher

Auf einer Renteirechnung aus dem Jahre 1467 wird der Name Dahlbruch erstmals erwähnt und der Ort gehörte seinerzeit zum Kirchspiel Ferndorf. Die Dahlbrucher wurden somit zu dieser Zeit auf dem Ferndorfer Kirchplatz beerdigt. Dies war nicht immer einfach, denn es gab noch keine befestigten Wege. Alles ging durch die holprigen Hohlwege. Wer viel bezahlte wurde dicht an die Kirche gelegt, wer weniger zahlte oder zahlen konnte, rückte dichter an die Friedhofsmauer. Bestimmt sind anders Denkende bzw. Abtrünnige außerhalb der Friedhofsmauer begraben worden. In die Kirche wurden die Geistigkeit und der Adel

Leichenzug Anfang September 1932 zum alten Friedhof in Hilchenbach

gelegt. Diesen Kirchenfriedhof benutzte man unter anderem auch als Gemeindeversammlungsplatz. Aber auch Gerichtsverhandlungen wurden auf ihm durchgeführt. So taucht der Name Winterbach, es ist der älteste Dahlbrucher Ortsteil, zum ersten Mal auf diesem Friedhof auf. Es gesteht am 21. August 1345 eine Familie Henkin Visil von der Winterbach das bittere Los des ihr gepfändeten Hofes in der Breitenbach.

Müsen, welches auch zum Kirchspiel Ferndorf gehörte, wurde mitten im dreißigjährigen Krieg, anno 1627, selbständige Kirchengemeinde. Auch Dahlbruch wurde von Ferndorf ausgepfarrt und dem neuen Müsener Kirchspiel zugeschlagen. Müsen bekam nun auch einen eigenen Kirchfriedhof. Die Dahlbrucher wurden von nun an bei der Müsener Kapelle, die schon vorhanden war, beigesetzt. Der Friedhof um die Kapelle wird bestimmt mit ein Grund gewesen sein, dass Müsen eigenständige Kirchengemeinde wurde. Zu dieser Zeit wütete nämlich die Pest im Ferndorftal und hat sehr, sehr viele Menschen buchstäblich dahingerafft. In Dahlbruch starben die Familien Stahl und Wagner vollständig aus. Die Friedhöfe waren so überfüllt, dass man die Angehörigen auch auf dem Eigentum begraben musste.

Im Jahre 1846 bekam Dahlbruch den ersten eigenen kommunalen Friedhof. Es war ein Gelände zwischen der heutigen Hochstraße und der B508. Damit war für die Dahlbrucher die Beisetzung auf den Kirchplätzen endgültig vorbei. Auch von den damals noch selbständigen Gemeinden Hillnhütten und Schweisfurt, die später nach Dahlbruch eingemeindet worden sind, wurde der Friedhof mit benutzt. Auf dem Areal ist noch ein Wahlfamiliengräberfeld mit einer geschmiedeten Abgrenzung vorhanden auf der die erste Beisetzung vor 150zig Jahren stattfand. Das Gelände wird heute als Park genutzt. Übriegens wurde Hillnhütten erst 1646 nach Müsen eingepfarrt. Es gehörte zuvor, wie alle Orte die seinerzeit links von der Ferndorf lagen, zum Kirchspiel Netphen.

Letzter Leichenzug in Allenbach am 24. April 1965

Da Dahlbruch, bedingt durch die große Firma Gebrüder Klein, schneller wuchs als die anderen Gemeinden, war dieser Friedhof schon nach sechs Jahrzehnten überbelegt. Es musste unbedingt ein neuer Friedhof herbei. Die Gemeindeväter entschieden sich für ein Gelände auf der Höhe dem heutigen Friedhof. Sie haben eine sehr gute Entscheidung getroffen, denn das Gelände ist fast eben, liegt einigermaßen zentral und ist erweiterungsfähig. Die erste Belegung fand im Jahre 1915 wieder in einem Kriege statt. Der Trauerzug ging immer vom Hause des Verstorbenen durch den Ort zum Friedhof. Vorweg ging der Pfarrer mit dem Gemeindediener. Danach kam der Fuhrmann mit Pferd, welches den gemeindeeigenen Leichenwagen zog. Ging noch ein Verein oder die Feuerwehr mit, wurde der Leichenzug hiervon angeführt, und von dem Geläut der Schulglocke begleitet. Sie hing in der alten Schule am Ernst August Platz und musste von Hand geläutet werden. Da man noch kein Handy kannte, begann die Läuterei durch Sichtzuwinkung. An jeder abknickenden Straßenecke stand jemand und gab mit dem Taschentuch das Abmarschzeichen. Hierfür wurden schon einige Streckenposten benötigt, die einschließlich Läuter meistens die älteste Schulklasse stellte. Manchmal verzögerte sich der Abmarsch vom Hause auch ungewollt. Nachdem der Deckel   aufgeschraubt war, brachte man z. B. den Sarg nur schwer wieder aus dem Haus. So musste manchmal erst das Treppengeländer abgebaut werden. Aber auch aus dem Fenster haben die Träger, die immer von der Nachbarschaft oder einem Verein gestellt wurden, den Sarg schon hinaus gehievt. Bei Kleinkindern fuhr kein Leichenwagen mit. Den kleinen weißen Sarg trugen die älteren Mädchen oder Jungen aus der Nachbarschaft vom Trauerhaus zum Friedhof. Hierbei wurden, wenn es ein längerer Weg war, die Arme ganz schön lang, was ich aus eigener Erfahrung berichten kann.

Im Jahre 1960 begannen in Dahlbruch die Planungen einer angemessenen Friedhofskapelle. Die feierliche Indienststellung, so wie es seinerzeit hieß, erfolgte am 01.04.1962 und es gab keinen Trauerzug mehr durch den Ort. In der Kapelle sind eine Empore sowie eine Glocke, die elektrisch geläutet wird. In ihr finden 199 Personen einen Sitzplatz. Auch drei kühle Aufbewahrungsräume, wo die oder der Tote bis zur Beisetzung ruht, sind im Keller

Auf dem neuen Friedhof in Dahlbruch

vorhanden. Dies ist auch gut so, denn früher war die Aufbahrung in der eigenen Wohnung bei viel beengteren Wohnverhältnissen wie heute nicht immer einfach. Ich kann mich noch gut an einen sehr heißen Sommer vor gut 50zig Jahren erinnern. Es gab noch lange nicht überall Jalousien und die Aufbahrung geschah in einer Stube in einem Mehrfamilienhaus, dessen Fenster auf der Sonnenseite lagen. Um den Raum einigermaßen kühl zu halten, wurde immer Stangeneis in einer Zinkwanne hineingestellt. Das Eis holten die Kinder auf einem Handwagen in einer Gaststätte. Man kannte noch keine elektrischen Kühlanlagen und das Bier wurde mit Stangeneis, welches die Brauerei lieferte, gekühlt. Als Kind wurde man natürlich mit dem Tode eher vertraut wie zur heutigen Zeit, wo die Menschen meistens im Krankenhaus sterben. Der Tote kommt nicht mehr nach Hause sondern in die Aufbahrungsräume einer Friedhofshalle.

Der heutige Dahlbrucher Friedhof ist wunderbar angelegt, er hat eine Fläche von 18.992qm und bietet viele Beisetzungsmöglichkeiten.

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