Der Schmied

Sie aßen und tranken tüchtig

Der Schmied war einer der ältesten Berufe der Menschheitsgeschichte. Schmieden war im Altertum etwas Mystisches. Der Schmied wurde vor allem als Waffen-, Werkzeug- und Gerätehersteller gesucht und gebraucht. Gute Schmiede warben sich die Territorialherren auch gegenseitig ab. Wie heißt es doch, alle Menschen müssen sterben, nur die schwarzen Schmiede nicht. Denn sie sind aus Stahl und Eisen und diese mag der

Die Allenbacher Mühle um 1905. Noch ehe Hütten- und Hammerwerke in den Tälern entstanden, nutzten die Mühlen die Kraft des Wassers

Teufel nicht.

Die Siegerländer Eisenindustrie war durch den Wettbewerb der englischen Industrie 1832 in große Schwierigkeiten gekommen. Mit allen möglichen Vorschlägen versuchte man sich aus dieser Lage zu befreien und zwar bis hin zu den höchsten staatlichen Stellen. Besonders in die Schusslinie kam die Siegerländer Hammerschmiede. Sie mussten zwar sehr hart arbeiten, aßen und tranken aber dafür auch tüchtig. Ihre Tagesarbeitszeit betrug 16 Stunden und zwar von vier Uhr morgens bis 20 Uhr abends. So war es von jeher Brauch im Siegerland. Sie wurden also nicht angegriffen, dass sie zu wenig arbeiteten, sondern wegen dem vielen Essen und Trinken während der Arbeitszeit.

Fünf Mann gehörten einst zur Mannschaft, um den Hammer zu bedienen. Es waren zwei Hammerschmiede, zwei Herdschmiede und ein Helfer, der Jung genannt wurde. Für die Anzahl der ihm zustehenden Hammertage mietete der Gewerke, es war quasi ihr Arbeitgeber, die Hammerschmiede. Er ließ die Schmieder für sich arbeiten, gab ihnen

Bärenstark waren die Männer der Schmiede und bewegten mit riesigen Zangen die bis zu 5 Zentner schweren Luppen. Das Bild entstand um 1905

großzügig gute Kost mit Getränken und bezahlte allen zusammen für den Tag an Schmiedelohn vier Taler und zwei Silbergroschen bar in die Hand. Es fehlte nicht an Vorschlägen um Einsparungen für die Produkte zu erreichen.

Im Jahr 1832 gab es Anträge, die enormen Kosten für Speisen und Trank der Hammerschmiede zu überprüfen. Auch Hammergewerken aus dem Müsener Revier zogen mit deutlichen Worten gegen die Hammerschmiede ins Feld. Die auffallende kostspielige Lebensart dieser Männer sollte man doch auf die normalen Lebensgewohnheiten wieder zurück führen. Ein alter Siegerländer freute sich darüber, dass dieses Thema endlich zur Sprache gebracht wurde. Obwohl diese Arbeit sehr schwer und anstrengend war, so sollte der Verzehr an Speisen und Getränken in keinem natürlichen Verhältnis gestanden haben.

Damit man sich ein Urteil bilden konnte suchte man sachkundige Männer, die hierüber etwas berichteten: ,,Wie viel an Bier, Brandwein, Fleisch, Butter, Brot etc., gewöhnlich binnen 24 Stunden von den an einem Hammer arbeitenden Menschen verzehrt würde?“ Die Antwort kam nicht von einem Hammerintressenten. Aber von einem der gut Bescheid wusste. Man erfuhr nun endlich, was die Belegschaft eines Hammers an einem Tage konsumierte. Die Rechnung betrug acht Taler, zehn Silbergroschen und drei Pfennige. Wie viel diese fünf Männer bei zwei Abendessen, einem Mittagessen an Suppe, Gemüse, Fleisch, Kaffee, Brot und Butter verzehrt hätten, war auf der Rechnung nicht aufgeführt.

Der Schmied nach einer Bleistiftzeichnung von Bernhard Setzer, Müsen, aus dem Jahr 1891

Aufgelistet waren aber 26 Maß Bier sowie 3 ¼ Maß Brandwein, die sie in einer Schicht getrunken hatten und zum Kaffee Herhrbrot (Feinbrot) gegessen hatten. Die Beurteilung über die Mengen Alkohol zur geleisteten Arbeit wollte der Unbekannte sachkundigen Männern überlassen. Das Maß betrug damals etwas mehr als ein Liter. Mit Gründung des Deutschen Reiches 1871 wurde das Maß einheitlich auf einen Liter festgelegt. Ja, es waren schon trinkfeste Männer, denn jeder trank im Durchschnitt in einer Schicht 26 Bier a 0,2 Liter und 31 Schnäpse.

Von den betroffenen Männern wurde schnell zurückgeschossen. Mit aller Deutlichkeit wiesen sie auf ihre schwere Arbeit hin. So sagten sie, dass der Hammerschmied oft mehr arbeiten musste als zwei, drei andere Menschen zusammen. Unverständlich war für sie, dass ein Hammerschmied nicht so viel essen sollte wie er vertragen könnte? Oder warum er die Butter aufs Brot, welches er im Schweiße seines Angesichts genosse, nicht dicker schmieren dürfte als andere Menschen? Wie stand es im 5. Buche Mose, Kap.24,4: ,,Du sollst den Ochsen der da drischet das Maul nicht verbinden.“ Ja, es waren fleißige, biedere Menschen mit ungewöhnlicher Arbeits- und Leistungskraft. An den Rohmaterialien, besonders an den Kohlen sollte man sparen, meinten die Hammerschmiede. Den Verbrauch an Kohle sollte der Hüttenmann auf keinen Fall vermehren. Statt vier Karren Roheisen sollte der Hammerschmied nur zwei Karren schmieden. Billiger würden dann die Kohlen und das Eisen würde im Preis steigen.

Nun fühlten sich die Haubergsleute und die Köhler getroffen. Sie wollten auf keinen Fall, dass die äußert geringen Kohlenpreise noch fallen sollten. Während fünf Hammerschmiede in 24 Stunden 26 Maß Bier und 3 1/4 Maß Schnaps tranken und dabei noch üppig speisten. Auch bei ihren Zusammenkünften lebten sie

Der Schmied in Aktion nach einem Gemälde von Conrad Hermann

glänzend denn dabei floss oft der Wein wie anders wo das Wasser. Fügt euch in das Schicksal, tröstete man die Haubersbeteiligten und die Köhler.

Belastet wurden sie natürlich noch alle mit zehn Prozent von dem Erwirtschafteten  in Form von Geld das sie, aber meistens an Naturalien an den Fürsten, die Kirche bzw. den König abgaben. Bereits im dritten und fünften Buch Mose wurde der Zehnte erwähnt. So sollte vom Ertrag von Korn, Wein und Öl sowie von der Erstgeburt von Rindern und Schafen seinerzeit zehn Prozent abgegeben werden. Diese Abgabe, die nicht immer einfach war ging bis ins 19. Jahrhundert. Es war eine gewisse Steuer, wie wir sie heute haben.

Wenn möglich versuchte man den Zehnt, den man geben musste zu verringern, so wie bei der Roggenernte vor vielen, vielen Jahren im Siegerland. Das Korn wurde damals zur Erntezeit mit der Sense abgeschnitten und zu Garben gebunden. Drei Stück wurden nun schräg mit den Ähren oben gegeneinander aufgestellt, so dass sie standen. In die drei Lücken wurden nun je zwei weitere Garben gestellt. Es entstand nun ein Kreis von neun Garben, der oben in der Mitte zusammen

Das Bild zeigt eine alte Schmiede mit zwei Ambossen und vielen Werkzeugen

ging. Nun wurde der Hut, welcher auch aus Kornhalme bestand, aber bald drei Mal so dick als eine Garbe war, gebunden. Er wurde nun, mit der Ähren nach unten, über die neun Garben gestülpt. Er sollte die Roggenähren vor Nässe und sie überhaupt schützen. Es war bei den Bauern die zehnte Garbe, die aber nie als Zehnt abgegeben wurde. Die Ritter wurden stets in Reih und Glied aufgestellt. Sie bestimmten, bis die Mähdrescher kamen, Jahrhunderte das Siegerländer Landschaftsbild zur Erntezeit. 

Das für und wider dauerte nicht lange. Denn es kam eine Freudenbotschaft ins Land. Über die der Chronist folgendermaßen berichtet: ,,Freut euch, Siegerländer! Lobsingt ihr Grubengewerken mit Jubel! Bringt dem König ein fröhliches Glück auf! Lasst ihm ein herzliches Lebehoch ertönen! Denn er hat unsere Zubußgruben vom Zehnten befreit! Ihm sei Heil und dankbare Liebe!" Frei von dieser Last konnten sie nun alle aufatmen.

 

 

Literaturnachweis:

Schmied  - Wikipedia

Siegener Zeitung -  1973

Der Poet des Hammers - Ulrich Schmied

Hinterhüttsche Chronik – Hermann Engelbert

 

 

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